Swing & Antifa

Vortrag- und Filmreihe mit Shim Sham eine Veranstaltung von kosmotique & swinging friends

“Wer den Swing in sich hat, ob er im Saal steht oder auf der Bühne, kann nicht mehr im Gleichschritt marschieren.” (Coco Schumann)

Swingmusik und Lindy Hop-Tanzen waren in den 1920er und 30er Jahren groß in Mode. Aus Harlems Tanzsäalen über den Großen Teich kommend, fanden die wilden Tänze auch hierzulande schnell begeisterte Anhänger_innen. Mit seinen rhythmischen Wechseln zwischen On- und Offbeat, seiner Improvisationslust und Variationsfreude – nicht nur hinsichtlich der Figuren, sondern auch der Rollen der Tanzpartner_innen (Leader und Follower) – stand dieser gleichzeitig wilde wie mondän-urbane Stil wie kein anderer zuvor für Lebensfreude, Freiheit, sexuelle Freizügigkeit und Selbstbestimmung. Die damit verbundene Lebensweise stellte ganz klar eine Absage an die in Nazi-Deutschland propagierte völkisch-rassistische Ideologie dar. Die sich insbesondere in Großstädten wie Hamburg, Frankfurt und Berlin konzentrierende deutsche Swing-Szene wurde von den Machthabern dementsprechend als oppositionelle Jugendbewegung eingestuft und verfolgt. Dezidierte Gesellschaftskritik übten die meisten Lindy Hopper allerdings nicht, sondern wollten “nur ihren Spass haben” und ein bisschen “Off Beat” sein, was zur Folge hatte, dass die meisten ihre Passion bald aufgaben.

Die Veranstaltungsreihe “Swing & Antifa” widmet sich der historisch-politischen Bedeutung von Swing und Lindy Hop im nationalsozialistischen Deutschland, die in der aktuell wieder aufflammenden Begeisterung für diesen Musik- und Tanzstil bislang eher selten gewürdigt wird. Wir richten uns damit sowohl an die Lindy Hop Begeisterten, die sich für die Geschichte interessieren, als auch an Antifas, die bisher noch nicht den Swing tanzen.

Nach den Filmen und Vorträgen wollen wir mit Euch den Shim Sham tanzen

  • eine originale Lindy Hop Choreographie, die nicht als Paartanz angelegt ist, sondern gemeinsam in einer Gruppe improvisiert wird. Gleichzeitig wollen wir darüber diskutieren, inwieweit ein Tanz – unabhängig davon, wie unkonventionell und tradtionelle Muster durchbrechend er auch sein mag – als probates Protestmittel gegen Neonazi-Demonstrationen eingesetzt werden, also ob und unter welchen Bedingungen ein Tanz ein politisches Statement sein kann.

“It Ain’t What You Do, It’s the Way That You Do It!, … It’s the Time That You Do It!, … It’s the Place That You Do It!” (Jazz tune lyrics, Melvin “Sy” Oliver and James “Trummy” Young)