Things. Places. Years. und Liebe Geschichte – ein Sommerkino in der kosmotique

Auftakt der Reihe „Auseinandersetzungen zur Gegenwart des Antisemitismus“
17:00 Uhr Things. Places. Years. (A, GB / 2004 / 70 min)
19:30 Uhr Liebe Geschichte (A / 2010 / 98 min)
Kommt getestet!

Das Sommerkino zeigt die beiden Filme Things. Places. Years. und Liebe Geschichte von Klub Zwei. Beide Filme setzen sich mit den Folgen des Nationalsozialismus bis in die Gegenwart auseinander. Erfahrungen von Vertreibung, Emigration und Holocaust werden oft in der Vergangenheit verortet.

Der Dokumentarfilm Things. Places. Years. bringt diese Vergangenheit in die Gegenwart. Sie ist Teil der Identität der Angehörigen der Vertriebenen und Deportierten und zeigt, wie Vertreibung, Emigration und Shoah das Leben von zwölf in London beheimateten Frauen durch drei Generationen prägen. Der Film fokussiert zudem die Arbeit der Frauen, die fast alle im Kulturbereich tätig sind. Viele von ihnen haben einen jüdischen Hintergrund. Ihre Gemeinsamkeit ist schwer zu definieren: Ist es das Jüdischsein oder ihr Interesse an Kunst? Der Film konstruiert keine homogene weibliche Identität, sondern umgeht das Dilemma der Zu- und Festschreibungen. Er gibt den Frauen Raum, um über ihre Identitäten zu sprechen, die komplexer sind als die Feststellung, dass sie Jüdinnen sind – eine Feststellung, die im Nationalsozialismus zu Vertreibung und Ermordung führte, eine Feststellung, die Menschen mit jüdischem Hintergrund zu Juden und Jüdinnen macht. Wie sie sich selbst sehen, hat sie bis zu diesem Film kaum jemand gefragt. Things. Places. Years. bringt die Analysen, Berichte und Erfahrungen der Frauen, aber auch die ruhigen Momente, die Stille, die Nachdenklichkeit vor die Kamera. In vertrauten Umgebungen wie dem Zuhause oder dem Arbeitsplatz sprechen die Frauen über ihre Beziehungen zu Orten, zu Dingen und über ihr Jüdischsein. Der Film ermöglicht auch eine Auseinandersetzung mit Antisemitismus, für die wir uns Zeit nehmen sollten. Denn die Vergangenheit kehrt in der Gegenwart wieder.

Im Anschluss zeigen wir den Film Liebe Geschichte. Es ist ein Film über die Nachwirkungen des Nationalsozialismus und der Shoah im Leben der weiblichen Nachkommen von TäterInnen und MitläuferInnen. Wie gehen Frauen in Österreich und Deutschland mit der Rolle ihrer Familie im Nationalsozialismus um? Was tun sie mit dem Wissen um deren Beteiligung an der Vernichtung der Juden und Jüdinnen? Wie setzen sie sich heute als Frauen und Feministinnen zu ihrer Familiengeschichte in Bezug? Welche „historischen“ Prägungen können sie an sich selbst beobachten – in ihren Beziehungen, in der Liebe und Sexualität, in ihrem politischen Engagement?

Beide Filme des Abends zeigen eine feministische Auseinandersetzung mit Verfolgung und Shoah und dem Ringen in Familien mit TäterInnengeschichte. Wir wollen sie als Ausgangspunkt unserer Reihe „Auseinandersetzungen zur Gegenwart des Antisemitismus“ heranziehen, weil sie eine Innenansicht der Gegenwart sind.

Am 24. September 2022 wird Jo Schmeiser, Teil von Klub Zwei, schließlich ihren aktuellen Film Widerstandsmomente in der kosmotique zeigen. Beide Filme des Sommerkinos geben einen Einblick in das filmische Schaffen und verbinden sich mit Widerstandsmomente zu einer Trilogie aus jüdischen Perspektiven, Auseinandersetzung mit TäterInnenschaft und den Widerständigkeiten in Vergangenheit und Gegenwart.

Im Vorfeld der bereits 2021 geplanten und dann pandemiebedingt verschobenen Veranstaltung führten wir dazu ein Interview mit Jo Schmeiser: „Ich bin nicht auf die Welt gekommen, um wegzuschauen.“