Die Provinz braucht genau die Leute, die sie ständig vertreibt.

„… je feindlicher die Umgebung und je unwirtlicher der große Ort, desto wichtiger ist es, dass es konkrete Orte gibt“. [1]

Wir sind ein Kollektiv von politischen Aktivist*innen, die größtenteils seit Mitte/Ende der 1990er Jahre in Dresden und darüber hinaus aktiv sind. Seit 2012 betreiben wir die kosmotique in einem ehemaligen Ladenlokal in der Martin-Luther-Str. 13 als einen politischen Raum, den wir gemeinsam mit anderen Gruppen und Kollektiven mit Kritik und linker Praxis füllen. Regelmäßig finden in der kosmotique Vorträge, Filmvorführungen, Workshops und Tagesseminare und Treffen politischer Gruppen und Initiativen statt.

Die kosmotique ist ein feministischer Raum. Wir streben eine Quote an, d.h. wir achten bei unseren eigenen Veranstaltungen und denen anderer politischer Gruppen auf einen möglichst hohen Anteil an Frauen*, die Vorträge halten, Inputs geben oder Veranstaltungen moderieren. Wir kämpfen als Teil des Bündnisses Pro Choice Sachsen für das Recht auf Abtreibung und beteiligen uns an der Organisation der jährlich stattfindenden Proteste gegen den christlich-fundamentalistischen Schweigemarsch in Annaberg-Buchholz. Über feministische Kämpfe für reproduktive Rechte weltweit haben wir 2018 und 2019 Radiofeatures produziert.

Seit Jahren unterstützen wir die Initiative in Gedenken an Oury Jalloh in ihrem Kampf um die Aufklärung des Todes von Oury Jalloh in einer Dessauer Polizeizelle. Wir mobilisieren daher zur jährlich am 7. Januar stattfindenden Gedenkdemonstration nach Dessau.

Regelmäßig haben wir Autor*innen zu Gast, deren Bücher beim Verbrecherverlag erschienen sind. Wir sind verschwistert mit dem Autor_innenkollektiv Dissonanz. Deren Buchveröffentlichung Gedenken abschaffen gehört zu unserem festen Bar-Inventar - available in English, too. Einige von uns haben an audioscript - einem Stadtrundgang zur Verfolgung und Vernichtung der Jüdinnen und Juden in Dresden 1933-1945 mitgewirkt. Das audioscript gibt es seit Anfang 2019 auch als App für Android-Smartphones. Am 8. Mai feiern wir die Kapitulation des deutschen Nationalsozialismus, gelegentlich mit dem Radiokollektiv Volume Mascara Murmansk und einem Befreiungsquiz.

Der Kontakt zu Menschen in Griechenland, die unter den Sparprogrammen der Troika leiden und trotzdem die Kraft finden, sich in solidarischen Projekten zusammenzuschließen, liegt uns besonders am Herzen. Auch weil wir darum wissen, welche Verwüstungen die nationalsozialistische Besatzung in Griechenland hinterlassen hat. Wir haben daher sehr gern die Entstehung des Filmes KRISIS unterstützt. Es handelt sich um ein Portrait der in der solidarischen Klinik in Piräus organisierten Menschen und ihrer Kämpfe.

Seit 2015 wurde bzw. wird der Raum auch verstärkt von und mit Geflüchteten genutzt, in Sprachkursen, Nähkursen, Zeitungsprojekten sowie in Projekten wie Facing You. Die internationale Frauengruppe Hams (Arabisch für Flüstern) entwickelte von 2016 bis 2019 in den Räumen der kosmotique Tanzperformances. Am 2. Mittwoch jedes Monats findet der Tresen der Gruppe gegen Antiromaismus statt, oftmals in Verbindung mit Veranstaltungen. Wir haben mit der Familie Bekir/Kamberovikj, der Gruppe gegen Antiromaismus und zahlreichen weiteren Unterstützer*innen für das Bleiberecht der Familie gekämpft.

Einmal im Monat lädt das Mietshäusersyndikat zum Beratungstreff in die kosmotique. Auch die neu gegründete solidarische Wohnungs(dach-)genossenschaft WoGe Dresden trifft sich regelmäßig in der kosmotique, ebenso wie das Gesundheitskollektiv Dresden.

Am 1. Freitag jedes Monats findet das neue kosmotique-Format “Aber eigentlich ist es der erste…” statt. Hinter dem wenig selbsterklärenden Titel verbirgt sich die Tatsache, dass wir nun immer am 1. Freitag im Monat zur kosmopolitischen Bar plus wechselndem Programm (Input, Film, Lesungen u. a.) in die kosmotique einladen. Für unsere Veranstaltungsankündigungen könnt ihr uns gerne auf Twitter folgen, unsere Website besuchen oder unseren Newsletter abonnieren. Wir plenieren jeden 2. und 4. Dienstag im Monat um 20 Uhr. Ab 21 Uhr ist unser Plenum offen für Gäste, d.h. für Nutzungsanfragen. Gerne könnt ihr uns auch vorab informieren und eine E-Mail schreiben an betreiber_innen (at) kosmotique.org. Wir sind politisch und finanziell unabhängig von Parteien oder anderen Institutionen. Alle Veranstaltungen finden kostenfrei statt und dienen der politischen, internationalistischen und kulturellen Bildung. Finanziert wird unser Raum über Fördermitgliedschaften. Unterstützt uns!

kosmotique Betreiber*innenkollektiv, Februar 2020

  1. Klaus Walter in: „Ortsverschiebungen. Tisch Nord“, testcard # 20 Access Denied – Ortsverschiebungen in der realen und virtuellen Gegenwart